Psychose- wenn die eigene Abwehr zusammenbricht

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Damals machte ich ein Praktikum in der Psychiatrie. Ich durfte Menschen kennenlernen, wo die eigene Abwehr bereits zusammengebrochen war. Wenn es soweit ist, sind Muskelverspannungen losgelassen und alle Schichten verdrängter Konflikte beginnen dann gleichzeitig nach außen zu drängen. An die Oberfläche, ins Bewusstsein, zur Abreaktion. Eine Psychose kann entstehen. Blockierte Emotionen, die über verdrängtes, pathologisches Material energetisch überlaufen. Dem Organismus gelingt es nicht mehr alles auf einmal loszuwerden.

So war es wohl auch als ich Hans (Name geändert) kennenlernte. Hans wurde in der Sozialstation untergebracht, um wieder für das sozialisierte Leben vorbereitet zu werden. Hans war von der äußerlichen Erscheinung her, wie ein großer Teddybär. Stämmig mit Oberlippenbart. Auf andere wirkte er durchaus einschüchternd und beängstigend, was sie auch mitteilten. Ich beobachtete einige Tage, wie er sich ständig vor anderen zurückzog und Räume aufsuchte, wo er alleine sein konnte. Eines Tages sah ich, wie er zügig Richtung Aufenthaltsraum ging. Ich war neugierig und folgte ihm nach einiger Zeit. Als ich den Raum betrat, saß er auf einem Stuhl und war in sich gekehrt. Er bemerkte mich und schaute mit seinen Teddybäraugen zu mir rüber. Ich fragte ihn, weshalb er hier so alleine sitzt?!? Meine Frage irritierte ihn anscheinend. Nach einigen Sekunden antwortete er mir, dass er lieber alleine ist.

Ich: Aah o.k! (Zeitgleich schaute ich auf die mittig im Raum platzierte Tischtennisplatte)

Ich: ich bin Dennis und du?

Er: ich bin Hans

Ich: freut mich Hans! Hast du Lust eine Partie Tischtennis mit mir zu spielen?

Er: (…überlegte wieder kurz) ja, wieso nicht?!

Das war dann mein Türöffner. Während wir spielten, fragte ich ihn, weshalb er hier ist? Daraufhin berichtete er mir, dass Personen ihn verfolgen und vergiften wollen würden zum Beispiel seine Bettwäsche. Im Verlauf des Gesprächs kam mir zu Ohren, dass er im Gefängnis saß. Kurze Zeit konnte ich meinen Puls schneller schlagen hören und dachte mir, was kommt jetzt?!?ich fragte ihn wieso? Daraufhin schilderte er mir, dass er aufgrund seiner nichtbezahlten Rechnungen ,,Schwarzfahren“ einsitzen musste. Ich konnte spüren, wie ihn diese Zeit emotional sehr beschäftigte. Dieser große Teddybär, wirkte in dieser Situation, wie ein kleines Kind auf mich. Ein Kind, welches im Zimmer eingesperrt wurde ohne zu wissen, weshalb. Wir spielten noch eine ganze Weile. Dann fiel mir auf, umso länger wir spielten, dass ich ihn in den zwei Wochen zum ersten Mal lächeln sah.

Mit meinen Klienten arbeite ich präventiv. Der Organismus, kann nur das vernünftig verarbeiten, wozu er energetisch in der Lage ist. Wir aktivieren und formen gemeinsam eigene Ressourcen, für ein mehr an Gesundheit und Wohlbefinden. So können meine Klienten auch in zum Beispiel schweren Zeiten, besser mit Situationen umgehen und diese selbst bewusster verarbeiten.