Wir kaufen für die Mülldeponie ein – Der Wegwerfwahn nimmt immer mehr Fahrt auf

Wir leben in Deutschland in einem der reichsten Länder. Wir sind so vermögend, dass Vieles weggeworfen wird, was in anderen Ländern niemals in den Mülleimer landen würde.
Elektrische Geräte, die zwar noch tadellos funktionieren, aber nicht mehr dem uns vorgegaukelten hohen Standard entsprechen. Kinderspielzeug, das den Kleinen irgendwann langweilig geworden ist. Und Lebensmittel, die zum einen im Übermaß eingekauft wurden oder auch die, die das Verfalldatum knapp überlebt haben. Apropos Lebensmittel: Wussten Sie, dass laut Lebensmittelgesetz noch verkäufliche, gute Ware aus den Regal verbannt werden muss und nicht weitergegeben werden darf? Turnusmäßig erfolgt in aller Herrgottsfrühe das morgendlich Aussortieren auf dem Discounter-Hof: Die „dogmatische“, visuelle, vorgegebene Ausrichtung entscheidet über den Weg in die grüne Tonne, nicht die Qualität.
Kurzum: Mittel des Lebens, über die sich in verarmten Ländern viele Menschen freuen würden. Und zwar jene, die nichts dergleichen ihr Eigen nennen dürfen. Aber wollen wir uns damit wirklich gedanklich auseinandersetzen? Menschen, die so arm sind, dass sie nur vom Abfall anderer Menschen bzw. unserem Abfall leben und auf Mülldeponien leben? Und ein anderer Gedanke dazu: Auch in Deutschland leben Leute, die sich durch den Müll bewegen, um essen zu können.
Nicht (nur) die Hersteller sind schuld am frühen Tod unserer heißgeliebten Konsumgüter und Lebensmittel. Wir Konsumenten machen fröhlich mit. Wir lassen uns von Marketing, Werbung und Prominenten einreden, dass Altes nur schlecht sein kann und Neues gut sein muss.
Warum ist das eigentlich so? Nun, ich denke, wir erwarten stets alle eine große Auswahl und perfekte Qualität. In dieser Hinsicht sind wir rigoros: Ist ein Lebensmittel etwa gerade in unserem Supermarkt an der Ecke nicht vorrätig, wird ein langer Anfahrtsweg in Kauf genommen und der beste Supermarkt angesteuert. Folge: Ein Konsumteufelskreis wird in Gang gesetzt und stetig weiter betrieben. Besser, frischer, mehr – auch wenn es am Ende keiner kauft.
Ist es nicht ein Irrsinn? Permanent, bis in die Nacht hinein, bieten Lebensmittelgeschäfte die ganze Palette an Waren an: Noch um 22 Uhr am Samstagabend liegt frisches Brot in den Regalen, zu jeder Jahreszeit gibt es Import-Erdbeeren! Und immer gilt: alles muss perfekt aussehen! Eine Delle im Boskop? Ein welkes Romana-Blatt? Ein feiner Riss in der Strauchtomate? Mit uns doch nicht! Undenkbar. Diese Ware wird direkt aussortiert.

In meinen Augen ein nicht mehr hinnehmbarer Zustand. Aber nicht nur angesichts von Hungerkatastrophen ist dieser Teufelskreislauf nicht mehr hinnehmbar. Unser Konsumverhalten beeinflusst die Lebensmittelpreise auf der ganzen Welt, denn unser grenzenloser Konsum kurbelt die Preise auf dem Weltmarkt weiter an. Und das hat zur Folge, dass in Entwicklungsländern Nahrungsmittel unerträglich überteuern.
Ich möchte nicht mit erhobenem Zeigefinger wirken. Aber zum Schluss läuft es auf uns selbst hinaus, auf unser eigenes Konsumverhalten. Nur wenn wir es ändern, wenn wir uns ändern, lässt sich der Wegwerfwahn überwinden.